| Soziale Kompetenz: Die Kunst des Führens |
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Menschen zu führen ist eine der anspruchsvollsten und komplexesten Aufgaben, die es gibt, denn führen erfordert sehr viel mehr als fachliche Kompetenz, die Bereitschaft Befehle zu verteilen oder seinen Status zu wahren.
Eine Führungsposition innezuhaben heißt, ständig auf dem Prüfstand zu stehen. In dieser exponierten Position wird man kritischer betrachtet als anderswo. Ständig im Fokus der Mitarbeiter und Vorgesetzten wird man an seinen Worten und Taten gemessen, sieht sich oft Angriffen, Missgunst oder Schadenfreude ausgesetzt.
Um so bedeutender ist es, als Führungskraft mit seinen Emotionen intelligent umzugehen. Selbsterkenntnis, Selbststeuerung, Motivation, Einfühlungsvermögen und soziale Fähigkeiten sind Voraussetzungen, um als Führungskraft glaubwürdig und erfolgreich zu sein.
Wer nicht zu seinen eigenen Fehlern steht, verliert an Glaubwürdigkeit. Wer sich in seinem Führungsverhalten zu sehr von seinen persönlichen Ängsten leiten lässt, verspielt seine Autorität. Wer sich und anderen keine Ziele setzt, kann anderen kein Vorbild sein. Wer kein Einfühlungsvermögen besitzt, wird seine Mitarbeiter nicht erreichen. Wer dem Team oder Unternehmen keinen Sinn und keine Werte vermittelt, kann nicht erwarten, dass andere ihm/ihr folgen.
Führen heißt Vorbild sein. Und je besser ich mit meinen Gefühlen umzugehen weiß, desto leichter folgen mir andere. Das bedeutet allerdings nicht, dass führen ohne Konflikte möglich wäre. Ganz im Gegenteil: Konfliktfähigkeit, also die Bereitschaft, Auseinandersetzungen nicht aus dem Wege zu gehen sondern sie offensiv zu suchen, Klarheit zu schaffen und Lösungen zu finden, ist eine der bedeutendsten Führungseigenschaften.
Aus eigener jahrelanger Führungsverantwortung weiß ich, dass das Engagement von Mitarbeitern dort endet, wo ihre fachlichen und persönlichen Grenzen erreicht scheinen. Führen heißt deshalb vor allem, Menschen zu fördern und herauszufordern, sie ihre Grenzen überschreiten und sich weiterzuentwickeln zu lassen.
Das geht nicht ohne Konflikte ab, denn Grenzen überschreiten erzeugt bei den meisten Menschen Ängste und Widerstände. Als gute Führungskraft sind Sie für Ihre Mitarbeiter verantwortlich - Trainer und Coach zugleich. Das erfordert viel Feingefühl, Menschenkenntnis und psychologisches Fingerspitzengefühl.
Da hilft es wenig, alle Mitarbeiter nach den gleichen Regeln zu beurteilen und zu behandeln. Jedem Menschen müssen Sie, abhängig von seinem persönlichen Entwicklungsstand, mit dem ihm entsprechenden Führungsstil begegnen und ihn zur nächsten Kompetenzstufe "führen".
Die Fachkraft, der es an kommunikativer Kompetenz und Verantwortungsgefühl mangelt, fordert einen straffen, autoritären Führungsstil. Klare Arbeitsschritte, Terminvorgaben und Kontrollen sind notwendig. Es gilt, diese Person zu zwischenmenschlichem Verständnis und Teamfähigkeit anzuleiten, um sie zu einer selbständigen Arbeitskraft zu entwickeln.
Der verantwortungsbewusste Mitarbeiter zeigt dagegen Verständnis und Kooperationsbereitschaft. Er benötigt nur klare Zielabsprachen und ein Zeitfenster, um eigenverantwortlich handeln zu können. Hier ist ein Führungsstil sinnvoll, der auf Vertrauen und Prinzipien aufbaut. Als gute Führungskraft werde ich Persönlichkeit und Charakter der Person fördern, um ihr die Chance zu geben, eine eigene Identität zu entwickeln.
Eine gereifte Persönlichkeit schließlich trägt Werte und Identität in sich selbst. Ist die Vision eines Unternehmens mit diesen Werten vereinbar, so führt sich diese Person eigenständig. Als guter Vorgesetzter lasse ich ihr die Freiheit, die Wege im Unternehmen eigenverantwortlich zu entwickeln. Im Idealfall mache ich mich in der Personalarbeit überflüssig und kann mich meinen eigentlichen Aufgaben widmen, tragfähige Zukunftsstrategien zu erarbeiten.
Wie wird man eine gute Führungskraft? Voraussetzung ist eine ureigene Fähigkeit zu Selbstkritik und persönlicher Entwicklungsbereitschaft. Da dieser Prozess Jahre und Jahrzehnte dauert, ist es banal, dieses komplexe Thema in Tipps abhandeln zu wollen, zumal jeder seinen eigenen Weg finden sollte. Hier deshalb nur zwei Punkte, die mir persönlich sehr wichtig sind:
Punkt 1: Seien Sie Vorbild! Fordern Sie von Ihren Mitarbeitern nichts, was Sie nicht von sich selbst fordern würden. Verstecken Sie sich nicht hinter Ihrer Position, sondern zeigen Sie sich als Teil des Teams. Nichts beeindruckt Mitarbeiter mehr, als wenn der Vorgesetzte kompetent, engagiert und offen ist. Und wenn Ihnen einmal ein Fehler unterlaufen ist, geben Sie es ruhig zu. Als Führungskraft sind Sie auch Vorbild für ein selbstbewusstes, ehrliches Miteinander.
Punkt 2: Fordern Sie nicht nur - fördern Sie Ihre Mitarbeiter auch! Entwickeln Sie eine Kultur, in der jeder für seine Leistung nicht nur Geld sondern auch persönliche Entwicklungschancen erhält. Haben Sie keine Angst vor der persönlichen Beurteilung Ihrer Mitarbeiter. Erst durch konstruktive Feedbacks in regelmäßigen Personalgesprächen können Ihre Mitarbeiter ihr Eigenbild relativieren und sich selbstkritisch zu hinterfragen lernen. Bieten Sie Weiterbildungsmaßnahmen an und vereinbaren Sie gemeinsam die Ziele in der persönlichen Entwicklung.
Aber: Wenn trotz all Ihrer Bemühungen ein Mitarbeiter keine Bereitschaft zur Entwicklung und Motivation zeigt oder sich in diese Kultur der Selbstverantwortung nicht integrieren möchte, sollten Sie sich rechtzeitig überlegen, ob diese Person überhaupt in Ihr Team passt. Sie dürfen sich nicht scheuen, daraus die Konsequenzen zu ziehen, denn nichts schadet der Autorität einer Führungskraft mehr als das eigene inkonsequente Verhalten. Eine einzige Person kann mit einer destruktiven Einstellung den guten Willen eines ganzen Teams zerstören und die gemeinsame Sache gefährden.
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