| Keine Führung ohne Emotionalität |
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Wie kann es nur dazu kommen, dass wir seit Generationen – besonders in Deutschland –
davon überzeugt sind, dass Emotionen im Business nichts zu suchen haben, obwohl wir täglich das Gegenteil erleben?
Wie kann es angehen, dass die Mehrzahl aller Führungskräfte auch heute noch glaubt, dass Gefühle unwichtig sind,
obwohl Panik, Gier und Hass einen immer größeren und unkontrollierbareren Einfluss auf Wirtschaft und Management haben?
Eine auf Angst bauende Mitarbeiterführung, ein hysterischer Aktienmarkt und ein von Gier bestimmtes Management
machen uns zu Opfern einer Wirtschaft, die von Sachverstand und Logik spricht. Höchste Zeit zu lernen, mit Gefühlen verantwortungsbewusst umzugehen und Emotionen zu steuern.
Es ist verständlich, dass wir dazu tendieren, Führung mit rationalen und sachlichen Mitteln
beschreiben und erklären zu wollen. Ich bin aber der Überzeugung, dass Führung eine zutiefst
emotionale Sache ist. Führung entsteht seit Menschengedenken aufgrund ganz natürlicher
Auswahlkriterien. Schon bei den meisten Herdentieren finden regelmäßige Zweikämpfe statt.
Das erfahrenste und stärkste Tiere wird so zum Leittier. Es dient der Herde als Vorbild und gibt
ihr durch sein Verhalten die nötige Sicherheit.
In menschlichen Gemeinschaften sind Führungsaufgaben weit komplexer. Neben Erfahrung und
Machtwillen spielen Intelligenz, soziale und strategische Kompetenz, Kommunikationsfähigkeit, aber
auch Status und Beziehungsfaktoren eine Rolle. Führungskräfte zeigen und entwickeln sich immer
seltener in offenen Auseinandersetzungen oder durch Bewährungsproben, sondern werden durch die
Organisationen in ihre Position befördert, ohne ihrer Rolle emotional gewachsen zu sein.
Viele dieser "Vorgesetzten" verstecken sich hinter ihrer Position. Andere sichern ihre Macht durch
Netzwerk- oder Lobbyarbeit. Wieder andere üben sich in einstudiertem Führungsverhalten, ohne
echte Führung auszustrahlen. So scheint Führung oberflächlich zu funktionieren, solange wir
sie nicht unter qualitativen Aspekten betrachten.
Das Gallup-Institut befragt jedes Jahr die Arbeitnehmer der wichtigsten Industriestaaten nach
der emotionalen Bindung zu ihrem Unternehmen. Nicht zufällig landen die Staaten, in denen
traditionell die Gefühle am Arbeitsplatz unterdrückt werden, regelmäßig auf den schlechten Plätzen:
Japan, Frankreich und Deutschland.
Für die jüngste repräsentative Untersuchung wurden von Oktober bis November 2008 knapp 2.000
ausgewählte deutsche Arbeitnehmer telefonisch interviewt. Zwei Drittel der Beschäftigten sagten
aus, sie machten Dienst nach Vorschrift. 20% haben bereits innerlich gekündigt. Nur 13% verspüren
eine echte Verpflichtung gegenüber dem Arbeitgeber (in den USA sind es dagegen 29%).
Die Gallup-Studie ist ein Beleg für ein falsch verstandenes Führungsverständnis in Deutschland.
Gallup-Berater Marco Nink meint, Schuld an den Problemen sei oft die direkte Führungskraft. Viele
Beschäftigte bemängelten, dass sie zu wenig Anerkennung erhalten oder ihre Meinung nicht gehört
werde. "Führungskräfte müssen sich zunächst ihrer Stärken und Schwächen bewusst werden und
erkennen, wie ihr Führungsverhalten von den Teammitgliedern wahrgenommen wird."
Wer die Gefühle seiner Mitarbeiter nicht ernst nimmt oder glaubt, seine eigenen Gefühle nicht
einbringen zu müssen, wird als Führungskraft keine Anerkennung finden, sondern lediglich von
seinen Mitarbeitern geduldet. Solch emotionslose Chefs strahlen keine Führungs-Kraft aus.
Sie sind nur emotionsloses Objekt einer Organisation. Ihnen fehlt es an der Energie, die Ressourcen
ihrer Mitarbeiter zu mobilisieren.
Echte, erfolgreiche Führungskräfte besitzen eine emotionale Ausdrucksfähigkeit, die beim Mitarbeiter
eine starke Resonanz erzeugt. Wie der Klangkörper eines Musikinstrumentes verstärkt das Team
den Ton, den die Führungskraft anschlägt. Je nach Situation kann so ohne Umwege auf die Bedürfnisse
eingegangen und die notwendige Stimmung erzeugt werden:
Alle geäußerten Gefühle sind in ihrer Situation wirkungsvoll und zielführend, wenn sie ehrlich
und für die Mitarbeiter nachvollziehbar sind. Aber: Die Führungskraft muss unterschiedliche
Gefühlsäußerungen wechselweise einsetzen, um eine emotionale Balance zu halten. Und hier
liegt das Hauptproblem:
Führt eine Führungskraft zum Beispiel nur mit Wut und Aggression, weil sie in ihrer Führungsrolle
überfordert ist, oder sich nicht im Griff hat, schürt sie die Ängste der Mitarbeiter und zerstört deren
Vertrauen. Wer mit Emotionen auf Dauer erfolgreich führen will, muss deshalb zuerst die eigenen
Emotionen verstehen und relativieren können, um sie auch zum Nutzen der Gemeinschaft einsetzen
zu können. Und dazu bedarf es der Selbsterkenntnis und Selbsterfahrung.
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Wie kann es nur dazu kommen, dass wir seit Generationen – besonders in Deutschland –
davon überzeugt sind, dass Emotionen im Business nichts zu suchen haben, obwohl wir täglich das Gegenteil erleben?
Wie kann es angehen, dass die Mehrzahl aller Führungskräfte auch heute noch glaubt, dass Gefühle unwichtig sind,
obwohl Panik, Gier und Hass einen immer größeren und unkontrollierbareren Einfluss auf Wirtschaft und Management haben?
Eine auf Angst bauende Mitarbeiterführung, ein hysterischer Aktienmarkt und ein von Gier bestimmtes Management
machen uns zu Opfern einer Wirtschaft, die von Sachverstand und Logik spricht. Höchste Zeit zu lernen, mit Gefühlen verantwortungsbewusst umzugehen und Emotionen zu steuern.