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Mobbing – Zeitgeist oder Mangel an Kultur? Drucken E-Mail
 
Image Regelmäßig lerne ich in meinen Trainings und im Coaching verzweifelte Menschen kennen, die sich über Mobbing am Arbeitsplatz beklagen und zunehmend unter der Gehässigkeit ihrer Kollegen leiden müssen. Da wird isoliert, denunziert, intrigiert und terrorisiert und man fragt sich: Was ist der Auslöser für so viel Hass?
 
Die Mobbingbetroffenen sind oft Angehörige von Minderheiten oder werden durch ihre Andersartigkeit zu Außenseitern stigmatisiert. Im Konflikt mit Kollegen neigen sie zu übertriebener Ängstlichkeit oder Hilflosigkeit und machen sich selbst zur Zielscheibe von Spott und Intrigen, statt sich Respekt und Anerkennung zu verschaffen. Ihnen fehlt es in der Regel an emotionaler Selbststeuerung zur kontrollierten, souveränen Beziehungspflege.
 
Die Mobber dagegen sind Durchschnittstypen. Sie suchen die Sicherheit der Clique, um von ihren eigenen Schwächen abzulenken. Ihre Ängste und Komplexe kompensieren sie durch überzogene Anpassung nach innen und Aggression gegen Andersartige, Außenseiter und vermeintlich Schwächere. Ihnen mangelt es an der notwendigen Empathie und ethisch-moralischen Werten. Ihnen fehlt die soziale Kompetenz zur Team- und Führungsfähigkeit.
 
Es ist durchaus nachzuvollziehen, warum zur Zeit ein Ansteigen der Mobbingfälle zu beobachten ist: Durch die wirtschaftlichen Probleme in den Unternehmen wächst der Druck auf die Arbeitnehmer und somit die Angst um den Arbeitsplatz. Der freundliche Kollege von gestern wird schnell zum Konkurrenten, wenn Kündigungen ins Haus stehen. Besonders der sensible und engagierte Außenseiter ist es, der den Mobb zu fürchten hat. Er setzt die Leistungsstandards, gegen die sich der Mittelmäßige nur durch Solidarisierung mit anderen Angstträgern zu wehren weiß.
 
Vergessen sind Teamgeist und Kooperationsbereitschaft, wenn man sich gegen andere behaupten muss. Da macht man andere schlecht, bevor man selbst als schlecht erkannt wird. Da fällt es leichter, sich mit fremden Leistungen zu schmücken als sich selbst anzustrengen. Da sucht man in der Quantität der Gruppe, die Qualität des Einzelnen zu schlagen.
 
Die Verschlechterung des Arbeitsklimas ist zur Zeit in der Mehrzahl der Unternehmen zu beobachten. Sie ist Zeichen für fehlende Ethik und Führung im Unternehmen. Eine kompetente und bewusste Geschäftsführung legt Wert auf die persönliche Entwicklung ihrer Arbeitnehmer. Durch eine transparente Kommunikation und das Vorleben von Normen und Werten weiß sie interne, "provinzielle" Grabenkämpfe zu verhindern. In solchen Unternehmen verfügen Mitarbeiter über eine hohe Identifikation mit dem Team und ihren Aufgaben. In einer solchen Atmosphäre findet Mobbing keinen Nährboden.
 
Trotz schlechter Rahmenbedingungen ist es also möglich, Mobbing zu verhindern. Aber was kann ich als Einzelner tun, wenn ich in einem Unternehmen arbeite, in dem die Geschäftsleitung Mobbing toleriert oder sogar initiiert, weil sie fälschlicherweise glaubt, dadurch eine höhere Leistungsbereitschaft erpressen zu können?
 
Tipp 1: Wenn Sie sich selbst als Mobbingopfer fühlen, dann lernen Sie sich zu wehren! Vermeiden Sie in Zukunft, sich durch ein zu defensives Verhalten selbst als Opfer anzubieten. In jeder Gruppe entwickeln sich Aggressionen, die mehr oder weniger offen an nicht konformen Gruppenmitgliedern ausgetragen werden. Die Reaktionen des von der Gruppe Angegriffenen ist entscheidend für die Entwicklung des Mobbingprozesses. Wer überlegen, emotionsfrei und schlagfertig auf solche Aggressionen reagiert, verschafft sich Respekt und Selbstachtung und wird sich nicht in eine dauerhafte Opferrolle drängen lassen.
 
Tipp 2: Wenn Sie glauben, es nicht allein zu schaffen, dann suchen Sie sich Hilfe bei unbeteiligten, neutralen Kollegen oder Kolleginnnen und bitten diese, zwischen ihnen zu vermitteln. Das Wichtigste ist, die Kommunikation zwischen den Parteien nicht abbrechen zu lassen und die einseitigen Machtverhältnisse wieder in Bewegung zu bringen. Dazu sind Kollegen oft besser geeignet als übergeordnete Institutionen oder Vorgesetzte, da Druck von außen Gegendruck in der Gruppe erzeugt, unter dem Sie eventuell wieder zu leiden haben.
 
Und: Werden Sie nicht zum Mitläufer! Wenn Sie in Ihrer Umgebung Zeuge von Mobbing gegen Mitarbeiter werden, dann reagieren Sie emotional intelligent: Stellen Sie die Initiatoren zur Rede. Mobbing ist ein Zeichen von fehlender Führung. Für Sie eine Chance, sich als Führungskraft zu profilieren. Konflikte zu lösen und Außenseiter ins Team zu integrieren sind wichtige Qualitäten einer sozial kompetenten Führungskraft. Wenn wir mehr solcher Führungskräfte hätten, müsste sich das Arbeitsklima selbst in Krisenzeiten nicht so dramatisch verschlechtern. 
 
 
von Michael Blochberger 
 
 
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