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Die Macht der Katastrophen-Macher Drucken E-Mail
 
ImageOb Schweinegrippe, isländische Aschewolke oder griechische Finanzkrise: Dubiose Organisationen wie die WHO, das VAAC (Volcanic Ash Advisory Centre) oder Standard & Poor's entscheiden heute über Gut und Böse. Sie machen aus einem harmlosen Virus eine weltweite Pandemie, lassen die Finanzmärkte kollabieren oder legen für Tage den europäischen Flugverkehr lahm. Auf der Basis unkontrollierbarer Informationen und scheinwissenschaftlicher Modelle werden Panik geschürt, Werte vernichtet und Politiker zu Marionetten ihrer Willkür gemacht.
 
Nehmen wir mal die Schweinegrippe. Da breitet sich ein im Labor gezüchteter und unter Quarantäne stehender Virus ganz zufällig über Mexiko aus. Und ganz zufällig hat der amerikanische Pharmakonzern, der die Patente an diesem Virus besitzt, den Wirkstoff zur Herstellung der entsprechenden Impfstoffe in weltweit ausreichenden Mengen vorrätig. Ganz zufällig ist der Vorstandsvorsitzende dieses Konzerns bei der WHO zu Besuch, als diese die Stufe 6 des weltweiten Pandemie-Status ausruft, der alle Regierungen dazu zwingt, sich mit Unmengen Impfstoff einzudecken. Zum Glück erweist sich der Bürger als aufgeklärter als die Politik und verweigert die Impfung und der neue Virus entpuppt sich als ausgesprochen harmlose Grippe. Aber allein in Europa haben 22 Staaten etwa 440 Millionen Dosen geordert. Impfstoff im Wert von rund 3,5 Milliarden Dollar, die in den Kellern versauern. Da hat sich die Entwicklung des Virus doch gelohnt!
 
Oder die Aschewolke. Da sitzen in einem Institut in London ein paar forsche Forscher und nennen sich Vulkan-Asche-Beobachtungs-Center (VAAC). Per Computersimulation errechnen sie die Ausbreitung der Ascheteilchen des isländischen Vulkanausbruchs über Europa. Ihre Alarmmeldung zwingt die europäischen Luftfahrtbehörden zur tagelangen Einstellung des Flugbetriebs. Auf Basis welcher Daten diese Berechnungen erfolgen, bleibt unbekannt, zumal es weder Erfahrungs- noch Grenzwerte für die Dichte von Vulkanasche und deren Gefährlichkeit für den Luftverkehr gibt. Sicher ist nur, es wurden keine aktuellen Messungen der Luft vorgenommen, weder in London noch in Island. Die Berechnungen basieren scheinbar auf rein spekulativen Daten und Luftbewegungen. Der Spieltrieb einiger selbsternannter Wissenschaftler hat allein die deutsche Wirtschaft vier bis fünf Milliarden Euro gekostet und wir lassen uns von Computersimulationen "in die geistige Knechtschaft" führen (spiegel online).
 
Jetzt die griechische Finanzkrise. Standard & Poor's ist eine der drei einflussreichsten Ratingagenturen der Welt. Ihre positive Triple-A-Bewertung (AAA) von spekulativen Immobilienfonds von Lehman Brothers und anderen US-Banken führte vor zwei Jahren zur weltweit größten Finanzkrise. Was ihrer Glaubwürdigkeit unter den Spekulanten aber scheinbar keinen Schaden zugefügt hat. Als Standard & Poor's letzte Woche Griechenland für kreditunwürdig erklärt (BB+), lässt dies den Eurokurs abstürzen und zwingt die Europäische Gemeinschaft, dem zahlungsunfähigen Land mit 110 Milliarden Euro unter die Arme zu greifen. Das Gute daran ist, dass Griechenland endlich gezwungen wird zu sparen. Das Erschreckende daran ist aber, dass eine Hand voll Analysten mit ihrem Urteil die Welt von einer Katastrophe in die nächste treiben und damit alle demokratischen Spielregeln außer Kraft setzen.
 
Was macht es für einen Sinn, alle vier Jahre Parlamente zu wählen und Regierungen zu bilden, wenn diese in ihrem Handeln zunehmend von unkontrollierten Instituten und Institutionen abhängig sind? Immer häufiger werden weltbewegende Prozesse von der Entscheidung weniger, gänzlich unbekannter Personen ausgelöst, die sich für die Wirkung ihres Tuns nirgendwo zu rechtfertigen haben. Was diese Personen dazu treibt so oder so zu urteilen, entzieht sich jeder demokratischen Kontrolle.
 
Ob Dilettantismus oder Überheblichkeit. Der Einfluss solch anonymer Institutionen muss eine ungeheure Anziehungskraft auf all diejenigen ausüben, die mit deren Entscheidungen ihr Geld vermehren und ihre Macht vergrößern wollen. Nichts ist leichter, als eine Hand voll anonymer Entscheider zu manipulieren und zu Handlangern meiner Interessen zu machen. Auch diese Menschen sind käuflich oder sind über ihre Angst, Fehler zu begehen zu lenken. Erschreckend ist nur, dass diese Manipulationen immer direkter und unverblümter erfolgen. Die eigentlichen Täter haben nicht die Spur eines schlechten Gewissens und immer weniger Hemmungen, das auch öffentlich zu tun. Sie setzen wie im Fall der Schweinegrippe sogar Menschenleben aufs Spiel.
 
Die Chaos-Theoretiker zitieren gerne den Schmetterlingseffekt des Meteorologen Edward Lorenz, nach dem der Flügelschlag eines Schmetterlings im Amazonasgebiet eine Kettenreaktion auslösen kann, die irgendwo auf der Welt zu einen Tornado führt. Damit ist gemeint, dass schon kleinste Abweichungen in der Natur eine enorme zerstörerische Kraft erzeugen können, die nicht mehr beherrschbar ist. So irreal diese Metapher klingt, unser weltweites Wirtschafts- und Finanzsystem reagiert immer häufiger nach diesem Chaos-Prinzip: schon kleine, scheinbar unbedeutende Ereignisse führen die Welt in Katastrophen.
 
Die Macht- und Geldgier der Spekulanten wirkt wie ein gewaltiger Verstärker, der aus Mücken unberechenbare Elefanten macht, weil sie so daran verdienen können. So werden aus kleineren Probleme unkontrollierbare Katastrophen. Regierungen und Gesetze bleiben kraft- und wirkungslos und wir stürzen von einer Krise in die nächste, weil alle nur mit Schadensbegrenzung beschäftigt sind, statt auf den Aus-Knopf zu drücken. Wenn es uns nicht gelingt, die Gier und Hysterie der Finanzwelt radikal zu beenden und neue Werte zu schaffen, werden wir im Chaos enden. Wo sind die Menschen mit Rückgrat, die dem Treiben ein Ende machen und die Hasardeure zur Verantwortung zieht???
 
 
von Michael Blochberger
 
 
 
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