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Arbeit, Urlaub, Emotionen - Wie Sie den Urlaub zur Selbstfindung nutzen können Drucken E-Mail
"In der Arbeitswelt haben Gefühle nichts zu suchen!" So falsch dieser Satz auch ist, in vielen Köpfen ist er tief verankert und die Mehrheit - gerade der Deutschen - versucht, sich täglich nach dieser Prämisse zu verhalten. Mit schwerwiegenden persönlichen Folgen, denn Emotionen lassen sich nicht ausschließen oder abstellen oder negieren. Sie sind in der Regel schneller und dominanter als unser Verstand.
 
Wer seine Gefühle in der Berufswelt nicht verarbeitet, weil er glaubt, sie nicht zulassen zu können, muss sie unterdrücken. Das kostet aber viel Kraft und erzeugt emotionalen Gegendruck wie bei einem vollen Kochtopf auf dem Herd, dem wir den Deckel zuhalten. Wie wir wissen, kann das nicht lange gut gehen: Ein Topf wird bald überkochen, ein Schnellkochtopf wird explodieren, oder das Feuer ist zu schwach, um den Topf unter Dampf zu setzen.
 
Genau das können wir täglich an uns und unseren Kollegen beobachten: Da gibt es die, die tagsüber so gut es geht den Deckel zuhalten, es gibt die, die regelmäßig explodieren und es gibt die, die nur noch auf Sparflamme laufen, um nicht in Gefahr zu geraten, ihre wahren Gefühle zu erkennen, kein Zeichen von emotionaler Intelligenz.
 
Wer sich im Arbeitsalltag emotional so stark zurücknehmen muss, wie wir das in der Regel tun, ist einem extrem höheren Stress ausgesetzt als jemand, der sich so geben kann, wie er ist. Er oder sie wird schneller ermüden, leichter krank und benötigt mehr Freizeit, um den Druck abzubauen, sich wieder zu entspannen und von den Pflichten zu erholen.
 
Gerade bei uns Mitteleuropäern ist zu beobachten, wie schwer es uns fällt, die Arbeit in ein lebendiges Leben zu integrieren. Die meisten von uns leben zwei Extreme, die Arbeit und die Freizeit, in denen wir völlig andere Rollen spielen. Denen, die beruflich besonders engagiert sind, gelingt es selbst in der Freizeit kaum noch, ihre emotionale Seite zu leben. Es ist kein Zufall, dass die Deutschen die Weltmeister im Reisen sind: Im Urlaub versuchen wir das nachzuholen, was wir im Alltag nicht mehr bekommen können.
 
Die Urlaubstage sollten dazu dienen, uns wieder ins Gleichgewicht zu bringen, Kraft zu schöpfen, uns neu zu sammeln. Allzu oft machen wir sie aber zu einem Gegenpool zum Alltag und fallen von einem Extrem ins andere. Aus dem Bedürfnis heraus, den anderen Teil in uns zu leben, das Zu-Kurz-Gekommene nachzuholen, das Emotionale auszuleben, lernen wir Ratio und Emotion zu trennen statt sie zu integrieren.
 
Wer sich auf der Arbeit unterdrückt fühlt, verbringt seinen Urlaub auf Mallorca und lässt dort "die Sau raus" statt seine Gefühle zu nutzen, an seiner Arbeitssituation etwas zu verändern. Und ich kenne Menschen, die Liebe, Sex und Beziehungen nur noch im Urlaub leben, weil sie Angst davor haben, diese Gefühle im Alltag zuzulassen.
 
Auf Seminaren mit ausländischen Gruppen erlebe ich immer wieder, wie viel offener zum Beispiel Lateinamerikaner über Probleme reden und wie leicht es ihnen fällt, Gefühle zu zeigen. Die Zusammenarbeit in diesen Gruppen wird klarer und direkter; trotz Auseinandersetzungen entsteht ein unverkrampftes und herzliches Miteinander, eine Atmosphäre von kreativer Leichtigkeit.
 
Gerade ein Urlaub im Ausland kann uns helfen, unsere Einstellungen und Verhaltensweisen zu überprüfen, um wieder zu mehr Emotionalität, Glück und Zufriedenheit zu finden.
 
Tipp 1: Verzichten Sie im Urlaub einmal auf Luxus! Suchen Sie sich einfache Pensionen, gehen Sie dort essen, wo sie mit Einheimischen in Kontakt kommen und genießen Sie das einfache Leben dieser Menschen. Mit unserem Hang zum Perfektionismus und unserem übersteigerten Anspruchsdenken machen wir uns das Leben schwer. Statt das Einfache zu genießen, glauben wir alles bewerten und kritisieren zu müssen. Der Genuss einer simplen Hühnersuppe in einer spanischen Bar kann so viel mehr Freude bereiten als ein Brunch in einem 5-Sterne-Hotel. Vor allem, wenn ich versuche, der Köchin das Rezept zu entlocken...
 
Tipp 2: Lassen Sie sich im Urlaub nicht zu sehr gehen! Ausschlafen, am Strand liegen und feiern können ein Ausgleich sein, machen aber auf Dauer träge und unzufrieden. Versuchen Sie Ihren Urlaub mit sanfter Hand zu planen und streben Sie eine gute Mischung aus Entspannung, Geselligkeit und körperlichen Aktivitäten an. Gesundheit und emotionales Wohlbefinden braucht Ruhe, Austausch, Genuss und Erfolgserlebnis. Von einer befriedigenden Mischung aus allem können wir Regeln und Prioritäten für den Alltag ableiten.
 
Tipp 3: Machen Sie sich einmal ohne Reiseführer auf, um zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln Land und Leute kennenzulernen. Einen steilen Berg erklimmen, eine einsame Bucht erforschen oder ein vom Tourismus unberührtes Bergdorf besuchen kann ein Abenteuer sein, das man nie vergisst. Neue Eindrücke und starke Gefühle erlebt man selten auf ausgetretenen Wegen. Der direkte Kontakt zu Natur und Mensch, ohne Netz und doppelten Boden, bringt uns auch wieder näher zu unseren ureigensten Gefühlen, von denen wir uns so weit entfernt haben.
 
Und wer es sich ganz einfach machen will, weil er nichts dem Zufall überlässt (Perfektionismus?) oder keine Lust hat, so etwas selbst zu planen, der kann einen Urlaub buchen, der Freizeit und emotionale Selbsterfahrung zugleich ist. Mit Sinnes-Wandel haben wir ein Seminar konzipiert, das eben diese Ziele verfolgt: Die Sinne zu öffnen für sich und die Natur und in der wunderschönen Landschaft der Kanarischen Insel La Palma zu seinen Gefühlen zu finden...
 
 
von Michael Blochberger
 
 
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