| Ach wie gut, dass niemand genau weiß… |
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Jeder von uns sehnt sich nach der Wertschätzung seiner Person und seiner
Leistungen. Anerkennung von anderen zu erhalten, ist eines der wichtigsten
Bedürfnisse, die wir erfüllt bekommen möchten. Dennoch scheinen sowohl
Führungskräfte als auch Mitarbeiter große Bedenken gegenüber Feedback zu
haben. Denn wie oft erhalten Sie von Ihrem Chef, Ihren Kollegen oder
Mitarbeitern ein leistungsbezogenes Feedback, das über die Fehlerrückmeldung
hinaus geht? Wann hat sich das letzte Mal jemand mit Ihnen zusammen gesetzt
und über Ihre beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten gesprochen? Vielleicht
liegt dies (auch) daran, dass Sie in einem deutschen Unternehmen arbeiten.
Eine gewagte Schlussfolgerung meinen Sie? Sie stammt nicht von mir, sondern
einem Auftraggeber, den ich vor kurzem kennen gelernt habe. Herr Caas ist
der neue Chef der PR-Abteilung eines größeren deutschen Unternehmens. Als
gebürtiger Niederländer ist er es gewohnt, seinen Mitarbeitern mittels des
computergestützten Testsystems SCiOPOS eine objektive Kompetenz bilanz als
Feedback und Ausgangspunkt für deren individuelle berufliche
Weiterentwicklungsmaßnahmen zuteil werden zu lassen.
Denn er weiß, dass jeder seiner Mitarbeiter sich durch ganz bestimmte
Stärken und Begrenzungen, sprich durch eine individuelle Persönlichkeit,
auszeichnet, die ihn bisher erfolgreich seinen beruflichen (und privaten)
Weg gehen ließen. In Abhängigkeit davon zeigt jeder in bestimmten
(Arbeits-)Umgebungen bestimmte „typische“ Verhaltensweisen, die wiederum
durch Trainings- und/oder Coachingmaßnahmen ergänzt und weiterentwickelt
werden können. Allerdings weiß Herr Caas, auch aus eigener Erfahrung, wie
schwer sich eingespielte Verhaltensweisen langfristig verändern lassen, denn
die eigenen Stärken und Begrenzungen definieren ebenfalls den persönlichen
Entwicklungsspielraum.
Für Herrn Caas war es daher eine ganz normale Vorgehensweise, ein
Testverfahren als leistungs- und persönlichkeitsbezogenes Feedbackinstrument
anzuwenden, schließlich ist dies für 70% der niederländischen Unternehmen
Gang und Gäbe. Im europäischen Vergleich bildet Deutschland allerdings das
Schlusslicht. Nur 5-7% der hiesigen Unternehmen benutzen Testverfahren zur
systematischen Personalentwicklung. Aufgrund des eisigen Gegenwindes seitens
einiger Mitarbeiter und Arbeitnehmervertreter reichte Herrn Caas ein Anruf
bei der Personalabteilung, um sicher zu sein, dass er in einem der anderen
95% deutscher Unternehmen gelandet ist. Doch wer sich als Niederländer
freiwillig beim großen, beneideten – zumindest was das ausgebaute
Autobahnnetz und Fast- oder Ganzweltmeistertitel anbetrifft – Nachbarn
anstellen lässt, gibt nicht so schnell auf.
War es nicht seine große Überzeugungskraft, mit der er sich gegen seine
Mitbewerber durchgesetzt hatte? Über die genauen Hintergründe seiner Wahl
wurde er zwar nicht aufgeklärt (was ihn jetzt nicht mehr wundert), ihr
rechnete er aber an, dass er alle Beteiligten und Zustimmungspflichtigen
doch noch zur Einwilligung für ein Pilotprojekt mit SCiOPOS bringen konnte.
Für seine PR-Mannschaft lag sein Fokus auf den Kommunikationsfähigkeiten,
wie:
· Offenheit und Extraversion,
d.h. die Fähigkeit, offen auf andere
zuzugehen;
· Fähigkeit, zu unterhalten,
d.h. anderen Menschen sympathisch
zu sein, ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und sie zu unterhalten sowie
· Erklärungs- und Überzeugungsfähigkeit,
d.h. das Vermögen, seine Gedanken
und Themen deutlich, zielorientiert und überzeugend darzu stellen.
Sind Sozialkompetenz und verbale Fähigkeiten außerdem gut ausgeprägt, erhöht
sich die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person auch erfolgreich mit ihren
Mitmenschen kommunizieren kann. Daher kamen weiterhin dazu:
· Einfühlungsvermögen (Empathie),
d.h. die Fähigkeit, Emotionen und Probleme
anderer korrekt nachzuvollziehen und richtig einzu schätzen;
· Soziale Anpassungsfähigkeit,
sie definiert die Geschwindigkeit und Leichtigkeit, mit
der sich eine Person einer neuen Gruppe anpasst und angemessene Beziehungen
zu anderen aufbaut und beibehält und
· Sprachbeherrschung und verbales Abstraktionsvermögen,
hierunter wird die Fähigkeit verstanden, mit einem
umfangreichen Wortschatz komplexe sprachliche Aussagen analysieren,
interpretieren und weiter geben zu können.
Diese Auflistung enthält die Faktoren, die im engeren Sinne mit
Kommunikation zu tun haben. Die allgemeinen intellektuellen Fähigkeiten, die
Auffassungsgabe, Flexibilität und Belastbarkeit, aber auch die
Selbstbeherrschung und Ausstrahlung leisten ebenfalls einen maßgeblichen
Beitrag, in den verschiedensten Situationen adäquat und möglichst
erfolgreich zu kommunizieren. Daher wurden sie ergänzend in das Testprofil
aufgenommen.
Ein Training oder ein Coaching zur Weiterentwicklung individueller
Kompetenzen ist dann am effektivsten, wenn es den Teilnehmern ermöglicht, an
ihren Stärken anzuknüpfen und individuelle Begrenzungen so zu kompensieren,
dass sie die Entfaltung der eigenen Fähigkeiten und Eigenschaften nicht
behindern. Dadurch können neue Lernerfahrungen optimal in die Persönlichkeit
integriert werden und führen zu authentischen neuen Verhaltensweisen.
Anhand zweier Mitarbeiter von Herrn Caas will ich dies kurz verdeutlichen:
Herr Schulz ist introvertiert und verfügt daher über eine geringere
Kontaktfähigkeit als im Anforderungsprofil definiert. In seinem normalen
beruflichen Alltag kompensiert er dies mit einer guten Vorbereitung - denn
dann fühlt er sich sicher - sowie durch ein gutes Beziehungsmanagement.
Herr Thiel glänzt beim Smalltalk und spricht gern vor großem Publikum. Durch
seine starke Offenheit und Extraversion knüpft er schnell Beziehungen, die
allerdings oft oberflächlich bleiben. Im gemeinsamen EQ1-Training konnten
beide neben der Weiterentwicklung ihrer Stärken auch voneinander lernen.
Herr Schulz steigerte zum einen sein Einfühlungsvermögen, um sein
Beziehungsmanagement weiter zu perfektionieren. Er erlernte aber auch
Strategien zur Gesprächseröffnung, um in seiner Kommunikation mit anderen
schneller „warm zu werden“. Durch eine verstärkte Selbstreflexion und die
Rückmeldung seiner Stärken gewann er zudem an Sicherheit.
Herr Thiel übte sich im „Zurücknehmen“, indem er an seiner Selbststeuerung
arbeitete, sowie im Einfühlen in die Bedürfnisse anderer, um sein Publikum
künftig noch besser „abholen und mitnehmen“ zu können. Indem es ihm
zunehmend besser gelang, sich auf sein Gegenüber einzustellen, gewann auch
seine Kommunikation an Tiefe.
Nach der Präsentation erster positiver Rückmeldungen und Entwicklungen aus
unserem SCiOPOS-Piloten verabschiedete sich Herr Caas von mir mit den
Worten: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ und einem Augenzwinkern. Ich
wünschte mich kurz ins „Arbeitsparadies“ Holland, pardon Niederlande, und
fuhr dann frohgemut der Abendsonne entgegen nach Hause.
Alle Namen wurden aus Datenschutzgründen von der Redaktion geändert.
von Paula C. Bemmann
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Jeder von uns sehnt sich nach der Wertschätzung seiner Person und seiner
Leistungen. Anerkennung von anderen zu erhalten, ist eines der wichtigsten
Bedürfnisse, die wir erfüllt bekommen möchten. Dennoch scheinen sowohl
Führungskräfte als auch Mitarbeiter große Bedenken gegenüber Feedback zu
haben. Denn wie oft erhalten Sie von Ihrem Chef, Ihren Kollegen oder
Mitarbeitern ein leistungsbezogenes Feedback, das über die Fehlerrückmeldung
hinaus geht? Wann hat sich das letzte Mal jemand mit Ihnen zusammen gesetzt
und über Ihre beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten gesprochen? Vielleicht
liegt dies (auch) daran, dass Sie in einem deutschen Unternehmen arbeiten.