Verlierer in Spanien
Donnerstag, 08. Juli 2010
Wir lieben dieses Land, in dem wir die schönsten Wochen des Jahren verbringen. Wir lieben das sommerliche Klima, die Lebensfreude der Menschen und ihre Fußballbegeisterung, die Bars und Kiosquos in denen jeden Abend irgendein Fußballspiel übertragen wird. Und wir haben uns darauf gefreut, hier die Fußball-WM zu erleben. Muss es denn ausgerechnet dazu kommen, dass Deutschland im Halbfinale auf Spanien trifft…? weiter »






Noch ein, zwei Schritte, dann rechts um die Ecke und mein Blick ist frei: Da steht sie, die „Grand Dame“, sandsteinern, barock, ganz selbstverständlich. Dunkle Stellen zeichnen wie verheilte Wundmale ihr Antlitz. Kaum zu glauben, dass ich genau hier an dieser Stelle vor 25 Jahren auf einen mit Gras umwucherten Haufen Schutt und Gesteinsreste starrte, mir antifaschistische Worthülsen in den Ohren summten und mein Herz von einer mir bis dato unbekannten Sehnsucht Heim gesucht wurde.
Robert Enke, die Nr. 1 im Tor der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft hat sich am Dienstag das Leben genommen. Weil er glaubte, als Vorbild und Leistungsträger keine Schwäche zeigen zu dürfen, ist er am Widerspruch zwischen dem Leistungsdruck und seinem Selbstbild zerbrochen. Was uns an diesem tragischen Tod so sehr bewegt, ist nicht nur das Schicksal dieses Mannes und seiner Frau. In seiner Verzweiflung erkennen wir auch unser eigenes Leid: Auch wir stehen unter Leistungsdruck und glauben, uns keine Schwächen erlauben zu dürfen. Auch wir spielen nach außen oft den Starken und zweifeln im Stillen an uns selbst.