Horst Köhler verlässt das sinkende Schiff

Horst.KoehlerEs sollte uns sehr nachdenklich stimmen, dass aufrichtige Menschen, die aufgrund ihres uneigennützigen Engagements vielen von uns als Vorbild dienen, keine Hoffnung mehr sehen, in dieser unserer Gesellschaft ihre Wertevorstellungen zu verwirklichen. Nach Margot Käßmann und anderen hat auch Bundespräsident Horst Köhler das Handtuch geworfen. Wie schlimm muss es kommen, dass ein Finanzexperte in der größten Finanzkrise der BRD aufgibt?…

Die Kritik an seinem Interview für den Deutschlandfunk war vielleicht der Anlass zu seinem Abdanken, sicher nicht die Ursache. Viele Indizien und Berichte sprechen dafür, dass Köhler von der Berliner Politprominenz im Schulterschluss mit der Presse weg gemobbt wurde. Horst Köhler, der die politischen Strukturen häufig kritisiert hat und mehr Verantwortung mahnte, ist in Ungnade gefallen. Die, die ihn einst gerufen haben, sahen mit Häme zu, wie er isoliert und demontiert wurde (Spiegel: “Horst Lübke”, Süddeutsche: “Der Null-Bock-Horst”). Sensible und aufrichtige Menschen sind bei den Mächtigen dieser Welt nicht gern gesehen. Vom Volk als Hoffnungsträger geliebt und geachtet stehen sie für Menschlichkeit und Veränderung. Damit sind sie für alle intriganten Drahtzieher der Macht eine Gefahr für das System. Horst Köhler hatte nicht den Mut, zum Märtyrer zu werden, aber er hat ein Zeichen gesetzt: Diese Politik ist am Ende ihrer Handlungsfähigkeit. Sie macht sich zum Opfer ihrer eigenen Machtverflechtungen. Wie ein Krebsgeschwür vergiftet sie unsere Gesellschaft und die Metastasen der Presse stürzen sich auf die, die so naiv sind, die Gesetze des Systems zu vernachlässigen.

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6 Kommentare zum Beitrag “Horst Köhler verlässt das sinkende Schiff”

  1. ebook leser schreibt:

    So jetzt ist der Horst Köhler zurücktreten. Was soll man von so einem Menschen halten, der mit so einer dünnen Begründung sich aus dem Amt stiehlt. Da kassierte er jahrelang ein super Gehalt und wenn es etwas kracht im Gebälk, dann macht er sich dünne. Ich bin über diese Fahnenflucht enttäuscht.

  2. Michael schreibt:

    Hallo, ebook leser!
    Deine Enttäuschung kann ich gut verstehen. Ich hätte mir auch gewünscht, dass Horst Köhler noch drei Jahre die Fahne hochhält. Aber er hat weder den Machtinstinkt noch das dicke Fell eines Helmut Kohl. Für die dreckige Politik ist er viel zu offenherzig und dünnhäutig. Aber damit konnten sich viele Menschen identifizieren, das machte Köhler so menschlich und sympathisch. Ich möchte keinen Menschen verurteilen, der seit Monaten systematisch fertig gemacht wird, weil ich ahnen kann, wie sich das anfühlt. Diejenigen, die diesen Stil praktizieren und schick finden, die fordern jetzt scheinheilig, dass er so etwas hätte ertragen müssen. Aber kein Geld der Welt ist es wert, die Opferrolle anzunehmen. Ich habe viel mehr Angst um eine Gesellschaft, in der die Besten gehen, weil sie allein gelassen und von der Meute gehetzt werden. Wo sind die Mutigen, die dem Mob Einhalt gebieten? Wer kommt nach Robert Enke, Margot Käßmann, Horst Köhler?… Angela Merkel oder Barack Obama?

  3. Irg Endwer schreibt:

    Mir kommen die Krokodilstränen beim Abgang des nackten Kaisers.

  4. Lives schreibt:

    Hallo,
    1. zu Frau Kässmann:
    hier war ich eigentlich nur enttäuscht, dass sie wohl nicht auf die Idee kam sich ein Taxi zu nehmen (oder Fahrdienst o. Ä.) – Als Bischoff/-öffin darf sowas nicht passieren. Ansonsten war/ist Frau Kässmann sehr gut.
    2. zu Herrn Köhler:
    Bei Herrn Köhler hat mir sehr gut gefallen, dass er nicht mit allem was die Politiker ihm vorlegten einverstanden war und seine freie Meinung äußerte. – Kritik an Politikern untereinander oder aus der Bevölkerung macht eine gut funktionierende Demokratie aus. Nur, der Ton macht die Musik und es kotzt mich ehrlich gesagt immer wieder an, wenn ich mir die Wortwahl der Politiker anhören muss – egal aus welcher Ecke sie kommen.

    Ich wünsche mir, dass unsere Volksvertreter sachlich/kritisch ihre Meinung vertreten. Dann wird die Politikverdrossenheit zurückgehen und vielleicht auch wieder den Weg ebnen für Leute, die politisch fähig sind aber aufgrund der Art und Weise der Politikführung nicht in die Politik gehen. Unser Land braucht gute Leute. Und gute Leute argumentieren und kämpfen nach meiner Auffassung fair und respektvoll.

    Oder muss ich es so verstehen, dass diese ganze unsägliche, teilweise respektlose Polemik ein Spiegel unserer Gesellschaft ist? Dann sehe ich Schwarz.

  5. Doris schreibt:

    Lieber Michael,

    ia, Politik hat mit Macht zu tun. Und wer da nicht mit-machten will, der fliegt raus. So oder so. Das IST so.
    Mut zum Märthyrer.. das ist ebenso eine gruselige Idee. Denn sich selbst aufzugeben, sehenden Auges kaputt machen zu lassen, nur um als Mahnmahl zu dienen für die verkörperte Anklage, das ist mir der falsche Weg.
    Das ist Macht abstrafen mit emotionaler Erpressung: mit der Macht des Opfers.
    Gleiches Spiel: Macht und Ohn-macht.

    Ich nehme lieber die Möglichkeiten und lasse die Macht links liegen. Ich wähle keine Politider. Weil das System sich sowieso selbst zerstört.
    Da ist es mein Job, das Neue zu gründen. Vorsichtig, achtsam. in direktem Kontakt mit Mensch, in Liebe. In Netzwerken, in denen Menschen einander nutzen, indem sie die Fähigkeiten des Anderen nutzen.
    Macht überholt sich selbst. Langsam, aber sicher.

    Rücktritt und Neuinvestition in etwas Zweck-mäßiges, das macht Köhler richtig.
    Wie bewusst ist er? Ich werde es lesen in den Medien, daran, wofür er sich statt dessen (!) entscheidet.

    Lieben Gruß

    Doris

  6. Dagmar Kappelhoff schreibt:

    Ich habe große Hochachtung vor der konsequenten Entscheidung von Frau Dr. Margot Kässmann, ohne wenn und aber.
    Von der Entscheidung des Herrn Dr. Horst Köhler bin ich enttäuscht und zwar nicht dass er gegangen ist, sondern weil er kein Rückgrad gezeigt hat und zu dem gestanden hat, was seine ehrliche Auffassung war. Politik ist ein hartes und schweres Geschäft. Spasseshalber möchte ich sagen, dass vielleicht ein Teil des Einkommens davon Schmerzensgeld ist.
    Was den Beschäftigten in so manchem Supermarkt, den LehrInnen an heutigen Schulen oder aber dem Personal in Pflegeheimen oder Hospizen täglich zugemutet wird, hat teilweise mit Menschenwürdigkeit nicht viel zu tun. Und sie können es sich nicht leisten ihren Job hinzuwerfen. Im Internet habe ich ihn gegoogelt und lese: 1977 erwirbt Köhler an der Universität Tübingen seinen Doktortitel. Der Titel seiner Dissertation lautet: “Freisetzung von Arbeit durch technischen Fortschritt”. Interessanter Titel, besonders im Blick auf seinen Rücktritt.
    Weshalb ich erstmals meine Zeit investiere, um einen Beitrag zu leisten ist jedoch, dass mir im Jahr 2010 die Themen Werte und Ethik in unserer Gesellschaft gänzlich fehlen und diese in und durch die Politik, die ich als sehr wichtig ansehe und niemals mit negativen Begriffen bezeichne, einen neuen Stellenwert erhalten müssen.
    Ziel einer Politik heute muss es sein, einen neuen, so genannten „ Dritten Wege“ zu gehen. Er besteht darin, den Menschen den Weg durch die umfassenden Umwälzungen der Moderne aufzuzeigen, verständlich zu machen. Dabei kommt der Neubestimmung des Verhältnisses von Staat und Zivilgesellschaft eine zentrale Bedeutung zu, „Demokratisierung der Demokratie“. Dieses bedeutet, Verantwortung für sich und sein Handeln zu übernehmen und aktiv zu werden für die Gesellschaft. Es bedeutet die Aufwertung und Unterstützung von bürgerschaftlichem Engagement (vgl. Ehrenamt). Damit erhält vor allem die Familie, sie war und ist als wichtigste Institution der Zivilgesellschaft, einen neuen Stellenwert. Die Familie muss demokratisiert und erneuert werden. Hierunter fällt vor allem die Gleichheit zwischen den Geschlechtern und gegenseitige Rechte und Pflichten zwischen Eltern und Kindern.
    Und nun wird es konkret: um diese Ziele zu erreichen, ist einer Umverteilung von Chancen erforderlich. Damit meine ich faktisch die Wahrnehmungsmöglichkeit politischer Rechte und bürgerlicher Pflichten, die jedes Mitglied einer Gesellschaft besitzen und erfüllen sollte. Das entscheidende Motiv für die Gewährleistung von Chancengleichheit ist zufolge der Zugang zu Bildung und Ausbildung und damit zu Arbeit.
    Bildung umfasst meines Erachtens nach die wesentliche Voraussetzung den Bereich von Emotionaler Intelligenz, womit ich den roten Faden aufzeigen möchte. Um emotionale Intelligenz zu entwickeln, ist die konstruktive Weiterentwicklung der eigenen Haltung erforderlich. Notwendige Voraussetzung dazu ist Wertschätzung, Authentizität, Empathie zu erlernen u n d zu lernen sein eigenes Verhalten zu reflektieren.
    Chancengleichheit durch den Zugang zu Bildung und Ausbildung und damit zu Arbeit.
    Und ich habe trotz meiner mehr als 5 Jahrzente Lebenserfahrung immer noch die Vision, dass wir gemeinsam es schaffen können an der Erreichung dieser Ziele zu arbeiten.

    Nicht hinwerfen sondern Netzwerke schaffen um sich gegenseitig zu helfen, zu ermutigen die so stark gebeutelten Batterien wieder aufzuladen.
    Spannendes Thema.
    Gute Energie wünscht allen Lesern
    Dagmar

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